Heinrichs Heimatseite

lactose-, gluten-, bio- und esoterikfrei    

Essayistisches


 


 

Mono-logisch


 


 

Grenzen der Behaglichkeitszone


 

Mit dem Begriff „Behaglichkeit“ verbinde ich einen Zustand der angenehmen Ausgeglichenheit, des In-sich-Ruhens. Eine behagliche Atmosphäre zeichnet sich durch Entspanntheit und Spannungslosigkeit aus. Sorgen und Probleme sind fern und nehmen keinen Einfluß auf die Befindlichkeit des sich behaglich Fühlenden.

Der gegenteilige Zustand des sich unbehaglich Fühlens impliziert den Einfluß störender Faktoren: innere Unruhe, Spannung, Erwartung von Unangenehmem, Unerwartetem, Drohendem. Dabei braucht durchaus kein konkreter Grund für das Vorhandensein alles diesen zu bestehen – ebenso, wie der Umstand der Behaglichkeit nicht meß- oder benennbar zu sein braucht.

Versuche ich mir nun vorzustellen, wo die Grenzen meiner Behaglichkeitszone zu finden und wie sie beschaffen sein könnten, so gerate ich in Bedrängnis.  

Meine Befindlichkeit im Zustand der Behaglichkeit ins Wanken zu bringen, gar in das Gegenteil umschlagen zu lassen, bedürfte es keines besonderen Anlasses; denn bereits das Fehlen eines der oben überlegten Parameter wie etwa der Entspanntheit wäre bereits Indiz dafür, daß Behaglichkeit nicht mehr Zustand ist. Meine Gestimmtheit wäre eingefärbt und damit verändert.

Wäre das Anlaß für mich, mein Selbstbewußtsein in Frage zu stellen oder es als geschwächt zu empfinden, oder registrierte ich nur eine andere Facette momentaner Wahrnehmung, eine kurzzeitige Irritation? Ich denke, es bedürfte eines wesentlich stärkeren Impulses, mich ernsthaft zu verwirren oder gar aus der Bahn zu werfen. Das Auftreten lediglich eines Faktors, der in  Behaglichkeit eine Spur Unbehagens einfließen läßt, wird Kurzzeitwirkung haben.

Für mich. Vielleicht bin ich nicht sensibel oder sensitiv genug. Vielleicht ist meine Frustrationstoleranz größer als bei anderen. Möglicherweise erinnere ich mich früher – rechtzeitig? – an Meilensteine, die durch frühere, prägende Ereignisse in meinem Leben kleinere Störungen schnell in den emotionalen Papierkorb bilanzieren.

Im zurückliegenden 7-Jahres-Zeitraum habe ich einen Paukenschlag hören müssen, der lange wie ein Tinnitus alles andere übertönen und zur Bedeutungslosigkeit reduzieren konnte.

Das war ein Lernprozeß, glaube ich, der erfolgreich war und mir weiterhin hilfreich bleiben wird. Ich habe nach diesem Erlebnis ein Dreivierteljahr örtliches Loslassen geübt und Abreißen vermeiden können, was Verstümmelung hätte bedeuten können. All das geschah, wie ich jetzt weiß, intuitiv. Ratio wäre kein geeigneter Mentor gewesen. Alles, was damals nicht stimmte, hat sich zurechtgerückt, eingerenkt, gesetzt – hat sich vom Unbegreiflichen modifiziert zum Akzeptierbaren, Respektierbaren und damit irgendwie Stimmigen, Passenden.

 


 

Tributum Novum


 

„Don’t ask what your country can do for you, but ask what you can do for your country“.

John Fitzgerald Kennedy sprach diesen so gerne zitierten Satz in einer seiner berühmten Reden.

Mögen wir vieles beklagen, was aus den USA zu uns herüberschwappte, hier sollten wir einmal beifällig nicken. Ja. Wir sollten einmal etwas tun für unseren Staat. Für unser Land, wie es ja eigentlich ursprünglich gemeint war.

Land – Staat? Ein jeder gehe in sich, erschrecke jedoch nicht, wenn er niemanden antrifft. Die Definition sei jedem selbst überlassen. Sind Staat und Land miteinander vereinbar?

Stadt und Land sind gegensätzlich belegt in unserer Automatik, alles zu kategorisieren.

Staat – Dein Staat, das bekannte Unwesen – so blödelten die 68er.

Merkwürdig, daß wir heute kaum noch Empörung empfinden können über diese aufmüpfige Silben-Bastelei. Oder wollen wir es gar nicht mehr?

Momentan ist in, mit unserem Land so gar kein Staat zu machen. Das ist eine beklagenswerte Situation, die aber nicht von ungefähr entstanden ist.

Allzu viele Entwicklungen haben sich vollzogen oder sind absehbar, die den treuen Optimisten unseres neuen, größer gewordenen Deutschlands Skepsis nahe legen.

Die EU-Richtlinien, die in nationales Recht umgesetzt werden müssen, werden als Entmündigung empfunden.

Auch im nationalen Bereich gibt es reichlich Grund für Unmut. Die aus den USA herübergewehte „Political Correctness“ fand in unserer Gesetzgebung das Ergebnis des „Anti-Diskriminierungsgesetzes“. BILD machte sich genüßlich die Mühe, am Tag nach der Verkündung des Gesetzes noch einmal Beispiele der Witze zu bringen, die wir künftig nicht mehr erzählen dürfen, ohne Gefahr zu laufen, vor den Kadi zitiert zu werden. 

Wir werden, wir müssen es lernen, die versuchte Abschaffung des Witzes geschickt zu umschiffen.

Wir werden uns politisch korrekte, alternative Bezeichnungen ausdenken müssen für inzwischen justiziabel gewordene alte Begriffe. Packen wir’s an.

Es dürfen noch Witze gemacht werden über Bayern, Ostfriesen, Beamte und Politiker.

Und nun ist unsere Kreativität gefragt für unverfängliche Attribute zu diesen Schonräumen:

Es darf Witze geben über: weibliche, behinderte, lesbische, schwule Bayern, Ostfriesen, Beamte und Politiker. 

Aber wie umgehen wir politisch korrekt das Verbot der rassistischen Verunglimpfung?

Da dürfen wir auf einen breiten Fundus der Preußenwitze der Bayern und der Bayernwitze der Preußen zurückgreifen.

Um Migranten in diesen Schutzraum einzubeziehen, bedarf es nur geringfügiger Modifizierungen:

„Kommt Xaver Öztürk zum Einwohnermeldeamt…“

„Osama bin Bayer trifft eine Blondine…“


 

(Heinrich Baumgarten, irgendwann zwischendurch)
 


 


 


 


 

Ich bin. 

Ein Mann. 

Dazu stehe ich.

Das ist mutig, ich weiß.

Mann zu sein, scheint out zu sein.

Aber ich finde es gut, ein Mann zu sein.

Die Schöpfung oder Evolution hielten es für gut, zu gleichen Teilen Männchen und Weibchen zu schaffen.

Das sollten wir auch so halten.

Wir haben männliche und weibliche Anteile.

Erkennen und akzeptieren wir sie.

Lassen wir nicht Politiker über ihre Verteilung entscheiden.

Wir haben Hirn in gleicher Qualität.

Nutzen wir es.

Vertragen wir uns.

Lassen wir uns nicht weiterhin aufeinander hetzen.

Das ist die perfideste Taktik der Ideologen.


 


 

(Heinrich Baumgarten, 16.09.2010)

  

 Ein Leben nach dem Tod?


 

Die Menschen haben sich seit Beginn ihres Bewußtseins darüber Gedanken gemacht, ob und wie es nach dem Tod weitergeht. Sie haben sich ein Leben nach dem Tod vorgestellt, das in einer anderen als ihrer gewohnten Sphäre stattfindet, in einem Stadium der Körperlosigkeit.

Die Vergänglichkeit alles Körperlichen war ihnen durch Alterung und Verfall während ihres Lebens schon bewußt.

Die Vorstellungen vom Danach waren von unterschiedlichen Denk- oder Wunschmodellen geprägt und beeinflußt.

In der griechischen Mythologie wurde dem Verstorbenen vom Fährmann am Ufer eines der Grenzflüsse zum Hades der Trank der Lethe, des Vergessens, gereicht. Erst dann begann die Fahrt über Styx, Acheron oder Pyriphlegeton. ImReich der Schatten führte der Verstorbene künftig ein Dasein als Bestandteil der undifferenzierten Dunkelheit.

Angst vor demUnvermeidlichen, Ungewissen ließ die Menschen wünschen, es möge einen Anfang in neuer Form geben. Auch mochten sie nicht annehmen, ihr Verschwinden in die Unbedeutsamkeit mache ihr gelebtes Leben unwichtig, beliebig, zufällig. Sie wollten sich wichtig wissen und nicht annehmen, es sei mit dem Tod alles gewesen, was ihnen zustehe oder angemessen sei.

Wer fest an ein Leben im Jenseits glaubt, fühlt sich in einer Art Gewißheit geborgen.

Er lebt damit,weiterleben zu können, ohne wirklich Gewißheit zu haben.

In einer Glaubensgemeinschaft verstärkt sich die Überzeugung, weil viele andere sie teilen.

Wer der Überzeugung ist, mit dem Tod ende seine Existenz unwiderruflich, er werde der unermeßlichen Ewigkeit zugehörig, rechnet nicht mit Verstärkung durch Gleichgläubige.

Keine der beiden Nachlebens-Anschauungen fußt auf gesicherten Erkenntnissen.

Ob es nach dem Tod irgendwie weitergeht, werden wir alle erleben oder nicht.

Niemand wird irgendjemandem von seinen Erfahrungen berichten können...   

 

 


Sich lösen ist nicht immer eine Lösung


(Quelle: DER SPIEGEL 26/2016)


 


Nun also ist es geschehen - das Unerwartete, bisher auch Unvorstellbare. Die EU ist auf 27 Mitglieder geschrumpft. Das  Wort "Brexit", das irgendwie nach Brechreiz klingt, ist zu einem neuen Zustand mutiert, der die Briten nicht nur geographisch von Europa trennt. Die Insellage ist unabänderlich, aber die neue Trennung hat eine sonderbare Qualität. Dem Rechtsverkehr Richtung Europa steht nun insularer Linksverkehr entgegen. Das ist unvereinbar und muß schiefgehen, ist aber beschlossen.

Demokratie ist etwas Gutes, auch wenn Schlechtes dabei herauskommt. Wie eine demokratische Abstimmung vorbereitet wird, entscheidet über deren Ausgang. Psychologen und also auch Werbefachleute wissen, daß menschliche Entscheidungen primär von Emotion, nicht von Reflexion gesteuert sind. Wahlkämpfende Kandidaten werden vermarktet wie neue Automodelle oder Deos, die 48stündige Frische versprechen. Daß die Frage, ob man einen totalen Krieg wolle, mit einem frenetischen "Ja!" beantwortet werden kann, ist leidvolle Erfahrung unserer schrecklichen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Lang, lang her, gewiß...

Die zum Teil beklagenswerten wirtschaftlichen und sozialen Mißstände in Großbritannien sind haus- und nicht EU-gemacht. Aber das wurde von den Promotern des Austritts aus Eigeninteressen nicht erwähnt. Wozu auch. Wer nach dem Kreuz strebt, möchte sich zuerst segnen. Wie immer wird auch hier das Volk unter seiner Dummheit leiden müssen. Ist das zu bedauern? Wohl kaum.

 

 

 

 

 

                                   




                  Umwege erhöhen die Ortskenntnisse



Ja – da überlegst Du, das fragst Du Dich, davon träumst Du sogar.
Wie viele Wege nach Rom führen, so viele führen auch wieder zurück.
Wer einen der Wege nach Rom eingeschlagen hat, etwa als Pilger, weiß oder fühlt im Inneren, daß sein Aufenthalt dort nur begrenzt sein kann.
Er erscheint dort, um etwas zu erleben, etwas mit sich geschehen zu lassen, etwas zu erfahren.
Und eine Erfahrung ist wie ein Werkzeug, das aus einer Kiste genommen wird, um damit an anderem Ort etwas zu verrichten.
Dieser andere Ort nach dem Rom-Besuch ist der Ausgangspunkt, der Ursprung. Der Ort, an dem der Wunsch zum Rom-Besuch entstand.
Nicht in Rom sollst Du tätig werden, sondern bei Dir zuhause, mit Dir, bei Dir.
Wenn Du glaubst, den Ursprung nicht orten zu können – er wird Dich finden und zu sich zurückholen – ob Dir das paßt oder nicht.
Origo ist lateinisch für Ursprung. Oriri ist das Verb dazu: entspringen, entstehen.
Orient ist aus dem Partizip Präsens Aktiv oriens gebildet: entstehend.
Ja, Du Sie, der Du suchst: Sei Original, ursprünglich; versuch, immer wieder Deine Kreise zu drehen vom Ursprung aus und wieder zum Ursprung zurück. Sternfahrten in alle Richtungen und Rückkehr zum Ausgangspunkt, dem Zentrum, dem Focus dieses Reise-Stern-Gebildes.
Es soll und wird Dich immer wieder treiben und zurückholen.
Zentrifugal und zentripetal in idealer Balance.

 



Arbeitsloses Geld


Money, you are fired!“ könnte Trump gesagt haben. Er hat genug davon – nicht von der Praxis des Feuerns, sondern vom Geld. Uns Normalsterblichen bleibt nur die Frustration, die wir jedes Mal empfinden bei dem Versuch, einer 50-Euro-Note eine Schippe in die Hand zu drücken, um sie zur Arbeit zu animieren.

Trotzdem war das meistgenutzte Werbemotto der Banken jahrzehntelang ebendiese Aufforderung:

Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten.“

Feierabend. Zunächst Altersteilzeit in Form von Zinssenkungen, Unüberschaubarkeit von gepriesenen Anlagemöglichkeiten, unter- oder überqualifizierte Beschäftigung und andere Widrigkeiten verleideten dem Geld und seinen Besitzern die Weiterarbeit beziehungsweise die Weiterbeschäftigung dieser Arbeitskraft.

Nachdem durch die Nachkommastellung des Zinssatzes und die Inflation die Vermögen der Normalos, also der immer noch so zahlreichen Sparkonten-Inhaber, ständig schmolzen, wurde die nächste Stufe der Enteignung gezündet. Zunächst nur für die Parker größerer Geldbeträge (€ 500.000, dann € 100.000) gedacht, frißt sich der Strafzinssatz von 0,5% nun auch zu Letzteren durch. Ausgerechnet Volks- und Raiffeisenbanken taten den ersten Schritt.  € 10.000 auf Tagesgeld- oder Girokonten sollen nun auch schon abgemolken werden. Wahrhaft genossenschaftliche Solidarität.

Beträge dieser Größenordnung sind es gerade, die dem Normalo die Havarie einer Waschmaschine nicht zur finanziellen Katastrophe gedeihen lassen und ihn davor bewahren können, einen Kleinkredit zu beantragen. Umverteilung immer auf die Kleinen. Waren die Politiker nach dem Urknall der Bankenzockerei nach 2008 zu feige, eine der Banken pleitegehen zu lassen, setzten sie ein miserables Zeichen für die Branche, die es als „Weiter so“ interpretierte. Der Steuerzahler half natürlich aus und wird auch weiterhin gemolken durch (s.o.) Zinssenkungen, Strafzinsen und erhöhte Kontogebühren. Einige Banken erheben jetzt gar schon Gebühren, wenn sich ein Kunde Bargeld von seinem Konto beschaffen will.

Die ständig wiederholten Überlegungen zur Abschaffung des Bargelds, die tatsächlich einige Vorteile bringen könnte (kein Schwarzgeld, keine Hehlerei, kein Drogenhandel, keine Raubüberfälle mehr), sind jedoch nur vorgeschoben, damit die Banken alles Finanzielle nach Belieben regeln und mit Gebühren belegen können, und der Staat die lückenlose Überwachung seines gläsernen Souveräns auch auf diesen Bereich ausdehnen kann. „Der Staat“ - wer oder was ist das überhaupt noch?

Am Beispiel der Superdemokratie USA erfahren wir gerade, wie Geld als tödliche Waffe benutzt wird. Die neue amerikanische Bildungsministerin Betsy DeVos, Milliardärin, stiftete den Republikanern im Wahlkampf die unvorstellbare Summe von 300 Millionen Dollar und betonte unverblümt, daß sie dafür auch eine Gegenleistung erwarte. Geschäft halt.

Dadurch kommen Politiker natürlich auch in die Zwickmühle, ihre Wählergunst einzubüßen. Und die Wahrscheinlichkeit, die zu verlieren, ist größer als die, daß ein Superreicher aufhört, superreich zu sein. Alles klar, business as usual, same procedure as ...