Heinrichs Heimatseite

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Neueres

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Brief an den Sommer 2018


Lieber Sommer 2018!

Ich wette, das ist Dir noch nicht passiert. Mir übrigens auch nicht. Und das ist etwas, das uns verbindet. Du hast noch nie einen Brief erhalten, ich habe noch nie einen geschrieben an eine Jahreszeit.

Aber wie Du wohl selber weißt, bist Du offenbar etwas Besonderes, zumindest im kurzen Gedächtnis von uns Menschen. Du hattest schon mal Vorgänger, aber in diesem Jahr warst Du wirklich der einzige, der infrage kommt und auch viele Fragen aufwirft.

Bist Du dem alten Lockruf Rudi Carells gefolgt mit Sonne von Mai bis zum September, oder wolltest Du der FIFA einen Vorgeschmack auf die WM in Katar vermitteln?

Wie dem auch sei: Rekordverdächtig bist Du und hast die Silbermedaille aller Deiner Vorgänger seit Aufzeichnung der Daten errungen. Aber warte mal ab, ob der Kachelmann nicht noch ein As im Ärmel stecken hat. Ein Meterologe mit alter Me-toosalem-Erfahrung…

Wir haben Dich herbeigesehnt; aber undankbar und mäkelig, wie wir Zweibeiner nun mal sind, fingen manche schon bei Deinen ersten 30-Grad-Plus-Tagen an zu stöhnen und wollten feuchtes Alternativprogramm - wenigstens nachts - , damit tagsüber am Pool nicht der Martini gepanscht würde.

Du bliebst standhaft, die Drinks ungewässert.

Du tatest Dich auch gütlich an den Wasservorräten der Talsperren, ließest sie verdunsten oder zum Rasensprengen verschwenden, auf daß kein 18-Loch-Golfplatz auf schnöde 9 halbiert zu werden brauchte.

Andererseits mischtest Du mittels Gewittern mit Starkregen ganze Landstriche auf, verschontest allerdings uns Nordlichter, wofür Dir mein Dank gebührt.

Also sei bedankt nochmals - in vieler Hinsicht, vielleicht auch Voraussicht.

Es gibt Menschen, die Dir zutrauen, daß auch Du menschliche Eigenschaften  entwickeln könntest, die nicht gerade positiv sind.

             

Da wäre die Eitelkeit, die Dich dazu verführen könnte, Dich zum Maßstab des Meteorologischen zu erheben, dem sich alle Jahreszeiten unterzuordnen  haben. Maßlosigkeit könnte Dich dazu verleiten, Deine drei Brüder Frühling, Herbst und Winter zu überwuchern und der Erde eine integrierte Gesamtjahreszeit aufzuzwingen. Du würdest Unterschiede nivellieren. Entrhythmisieren würdest Du die Erde und alles, was auf ihr lebt.

Aber Du würdest Dir selbst schaden, Dein Image würde nicht nur verblassen, sondern sogar hassenswert werden. Du würdest Verzweiflung und Freudlosigkeit schaffen und schließlich selbst darin versinken.

Laß Dir, bitte, Deine Hitze nicht zu Kopf steigen! Halte Maß und versuch, Deine Nachfolger davon zu überzeugen, es ebenfalls zu tun.

Ich weiß, Du willst jetzt sagen, wir seien mitschuldig daran, daß die Erde sich ständig erwärme. Ja, das stimmt. Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet; aber noch ist die Hoffnung darin. Und damit die Chance, das Schlimmste zu vermeiden. Wenn - ja wenn wir mitspielen beziehungsweise mitdenken und mitarbeiten. Unser Lehrplan ist längst geschrieben, und zu den Hauptfächern gehören Demut vor der Schöpfung, der Abschied von der Überzeugung, wir seien deren Krönung und die Streichung des Unwortes unseres Jahrhunderts namens „Wachstum“. Du bist autonom, läßt Dich von niemandem beeinflussen. Gut und richtig. Deshalb erwarte ich auf meinen Brief auch keine Antwort.

Sei gegrüßt und bedankt.

     

Genossen habe ich Dich jedenfalls mit vollen Zügen…