Heinrichs Heimatseite
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Neueres

Steigerung von "neu"?

Nein; aber neue Beiträge sollen als solche beim Besuchen dieser Heimatseite erkennbar sein und erst später in ihre Stammquartiere umziehen...

 

 

 



 

 

 

Der Krug geht so lange zum Munde, bis er bricht


Damals, als ich meine Sprachspielereien begann und die Sprüche durcheinander wirbelte, habe ich auch diesen verändert und gesagt:

"Der Krug geht so lange zum Munde, bis man bricht."

Du hast die Stirn gerunzelt, den Kopf geschüttelt, aber auch ein wenig gelächelt, glaube ich.

Hat denn nicht einer mit dem anderen etwas zu tun?

Mit dem Krug und seinem Inhalt ist doch Saufen gemeint, oder? Trinken hieße doch, aus dem Krug etwas in ein Glas gießen und dann anständig trinken. Aber so aus dem Krug - so etwas tut man nicht, hast Du uns auch immer ermahnt. Obwohl ja die Milch, direkt aus dem Krug oder der Flasche... Na ja, Du weißt schon.

Aber Saufen ist ja eine Form von Gier, nicht? Und der Krug ist ja - wie eigentlich alles bei den Sprichwörtern, ein Bild, eine Metapher. Und dann ist der Krug auf einmal viel größer und kann alles enthalten, nicht nur Flüssigkeiten. Und weil man damit immer und überall "flüssig" sein kann, ist heutzutage wohl Geld damit gemeint. "Je mehr er hat, je mehr er will: Nie schweigen seine Klagen still." So ähnlich, nicht? Der Indianer-Häuptling Seattle sagte mal, irgendwann werde der Weiße Mann merken, daß man Geld nicht essen könne - wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen... Wir haben über diesen weisen Mann öfter gesprochen, als ich immer nur Cowboy sein wollte.

Gier ist die Mißgeburt der Hure Wachstum, bei der  so viele Freier Schlange stehen. Ich finde, Wachstum ist das Unwort des neuen Jahrtausends. Für die meisten Menschen auf der Welt ist Wachstum dringend nötig bei Ernährung, Bildung, würdigen Lebensumständen. Aber doch nicht bei uns und den anderen Europäern, die jahrhundertelang auf Kosten ihrer Kolonien gelebt haben, und das bis heute noch tun - auch wenn es pro forma keine Kolonien mehr gibt.

Unser Krug scheint bald zu bersten, weil er so prall gefüllt ist, und sich immer mehr Säufer an seinem Inhalt verschlucken.

Und was fällt uns dazu ein bei Brecht?

2. Person Plural, Imperativ...




  Watt is Literatur?


        Der alte Lehrer  Bömmel aus der „Feuerzangenbowle“ hätte es möglicherweise so formuliert:
„Literatur is dat, wat man jerne lesen will.“
Einfach. Großzügig. Liberal. Modern.
Weshalb fallen uns immer öfter alte Charaktere ein, wenn wir Heutiges zu erklären versuchen?
Und diese Charaktere sind keine historischen Vorbilder, sondern literarische.
Seit Marcel Reich-Ranitzki nicht mehr die Mattscheibe erfrischend belebt, sind alle neuen Versuche, literarische Kolloquien zu erschaffen, kläglich versiegt.
Woran liegt das? Ich weiß es nicht, möchte aber dennoch versuchen, eine Erklärung zu finden.
Bevor man daranging, Literatur zu kategorisieren und in Lehrpläne einzubinden, las ein jeder, was ihm gefiel. Ludwig Ganghofer und  Hedwig Courths-Mahler                     schrieben Bestseller, als dieses Wort noch nicht existierte.
Von wem, woher kam dann ein Warnruf, der solche Literatur als trivial diffamierte?
Vielleicht eine Master-Arbeit  für einen Literaturstudenten, das zu enträtseln.
Macht hat viele Facetten - vermutlich mehr als ein Insektenauge.
Waren die Mahner einer Vergangenheit verhaftet oder verpflichtet?
Ich habe als Schüler noch die „Alten Gymnasial-Säcke“ erlebt und unter ihnen gelitten. Aber ich habe ihnen auch verziehen.
Sie waren geprägt, wie wir alle heute auch. Sie hatten nur weniger Möglichkeiten, sich zu informieren. Wir haben die Möglichkeiten - die Jüngeren auch.
Die Aufkleber „Spiegel Bestseller“ und ähnliche gelten nichts. Sie sind kostenpflichtig und nützen nur dem Vergeber, der dafür kassiert…